Liebe Freundinnen und Freunde des Team Weimarer Ingenieure,
wenn niemand zusieht, verändern sich menschliche Aktionen, Entscheidungen und Prioritäten oft deutlich im Vergleich zu Momenten, bei denen man unter voller Beobachtung steht. Unsere Handlungen werden viel stärker durch intrinsische Motive, wie persönliche Werte, Überzeugung und langfristige Ziele bestimmt. Ohne Beobachtung entsteht Freiheit, die uns im positiven Sinne beflügeln kann, aber im Umkehrschluss auch bequem werden lässt. Unsere Ehrlichkeit nimmt zu, da wir uns weniger inszenieren und uns einer viel größeren Selbstkonfrontation ausgesetzt sehen. Im Jahresverlauf unseres Sports ist der Winter die Phase, wo niemand zusieht. Damit ist mehr gemeint als nur fehlende Zuschauer. Es ist die Zeit, wo Motivation insgesamt nicht von außen kommt. Entscheidungen werden intern getroffen, Fortschritte sind kaum sichtbar und die Freiheit den eigenen Weg zu gehen, steht dabei oft im Kontrast zum Gefühl, mit dieser Arbeit allein zu sein. Diese Zeit formt uns und wir alle wissen, dass sie im Endeffekt einen großen Einfluss auf unser Leistungsvermögen im Sommer hat. Waren wir sorgfältig und verantwortungsbewusst oder nachlässig und bequem? Spätestens im Vergleich werden unsere Handlungen sichtbar.
Innerhalb eines Teams verändert sich diese Phase. Die Entwicklung von Selbstdisziplin und Stehvermögen bleibt unberührt. Dunkelheit und Kälte müssen immer wieder überwunden werden und der motivierende Applaus an der Strecke bleibt aus. Die Vorteile entstehen in der Gemeinschaft. Wo sonst Einsamkeit herrscht, entstehen Verbindlichkeit, Rhythmus und Orientierung. Fixe Termine und gemeinsame Treffpunkte geben Struktur. Man wächst an gemeinsamen Belastungen, profitiert von unterschiedlichen Stärken, lernt durch Beobachtungen und Gesprächen von erfahrenen Athleten dazu. Die harten Tage fühlen sich leichter an, weil der Schmerz geteilt wird. Die guten Tage intensiver, weil man sie gemeinsam erlebt. Gegenseitige Motivation unterstützt uns und das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein, stellt sich ein.
Unsere Jungs sind alle Teil dieses Teams, dennoch entstehen die beschriebenen Vorzüge nicht von selbst. Die jüngeren Athleten, welche am Sportgymnasium in Jena leben und trainieren, profitieren von ihrer Gemeinschaft im Alltag vermutlich am meisten, während die studierenden oder berufstätigen Athleten, abhängig von ihrem Standort, oft individuell oder in kleineren Gruppen trainieren. Den Luxus eines gemeinsamen Trainingsstandortes für alle, gibt es in der alltäglichen Form leider nicht. Umso größer wird die Bedeutung der gemeinsamen Trainingslager, wie z.B. der Winterlehrgänge in Bad Blankenburg. Dort haben unsere Jungs die Möglichkeit nicht nur an ihren persönlichen Leistungen zu arbeiten, sondern auch die Chance, die Vorteile einer Gemeinschaft voll auszunutzen. Besonders schön ist dabei die Tatsache, dass Athletinnen und Athleten des Thüringer Landeskaders ebenfalls dabei sind. Im Winter stehen vier Termine für je ein Wochenende zur Verfügung, um gemeinsam an den Schwerpunkten beim Schwimmen und Laufen zu arbeiten. Darüber hinaus erfordert es eine Menge Organisation und Kommunikation, um weitere Einheiten in der Gruppe in den Alltag zu integrieren. Diese sind unabdingbar, da sich unser Team im Vergleich zu anderen Mannschaften stark über die Gemeinschaft definiert und dies ein wichtiger Teil der eigenen Philosophie ist.
Eine besondere Bedeutung haben daher auch die längeren Trainingslager im Frühling, wo es dann in die warme Sonne des Mittelmeerraums gehen wird und das Radfahren stärker in den Fokus rückt. Wundervolle Landschaften bringen die mehr als nötige Abwechslung und das Hallenbad wird gegen einen Außenpool getauscht. Die Einheiten werden wieder schneller und der Körper öfter an das Maximum gebracht. Die Form steigt spürbar an und die Lust auf die ganz großen Rennen liegt in der Luft. Bis es soweit ist, warten noch zahlreiche lange und ruhige Programme zuhause. Trotzdem rückt die Zeit näher und allein die Vorfreude kann noch eine Menge Energie freisetzen.
Den Fans bleibt, in der überdurchschnittlich langen Saisonpause, nur die Vorfreude auf die ersten Rennen des Jahres und die Hoffnung, dass der Saisonstart 2026 besser gelingt als in den Jahren zuvor. Zweimal brauchte es zunächst eine Bruchlandung auf den Boden der Tatsachen, bis unser Team in der Lage war, die gewohnten, sehr erfolgreichen Leistungen zu bringen. Zur Verteidigung sei an dieser Stelle gesagt, dass sich das Team 2024 in einem sehr kurzfristigen Umbruch befand und darüber hinaus, wie vergangenes Jahr, mit einigen Verletzungsausfällen zu kämpfen hatte. Unsere Hoffnung auf einen erfolgreicheren Start ist daher nicht unbegründet, weil sich das Team auf zahlreichen Ebenen in dieser Zeit sichtbar weiterentwickelt hat. Besonders das Nachwuchskonzept zeigt mehr und mehr Früchte. Aus dem starken 2008er-Jahrgang feierte nach Phil Pfeifer, auch Stig Rudolph ein starkes Erstliga-Debüt und viele ihrer Teamkollegen drängten sich mehr und mehr für die zweite Mannschaft auf. Der Konkurrenzkampf um die begehrten Startplätze ist somit belebt. Zudem ist unser absoluter Leistungsträger Alexander Kull, nach seinem Comeback in Hannover, auf einem guten Weg, die lange Verletzungszeit nun endgültig überwunden zu haben. Läuft weiterhin alles nach Plan, steht er uns wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Gute Vorzeichen, die unsere Vorfreude auf die anstehende Saison weiter anheizen. Die Termine stehen und können bereits jetzt im Kalender notiert werden. Unser Team freut sich über jede Unterstützung am Streckenrand und vielleicht sorgt die ein oder andere Adresse ja für neues Interesse.
TERMINE
TRIATHLON BUNDESLIGA
30. MAI
KRAICHGAU
19. JULI
TÜBINGEN
25./26. JULI
HANNOVER
21. AUGUST
ALLGÄU
TERMINE
2. TRIATHLON BUNDESLIGA
06. JUNI
ITZEHOE
28. JunI
WEIMAR
12. JULI
VERL
23. AUGUST
GRIMMA
05./06. SEPTEMBER
HANNOVER
Die neue Saison liegt vor uns, wie ein noch unbeschriebenes Blatt. Fordernd und doch voller Möglichkeiten. Bis es losgeht, prüft der Winter uns mit kalten Trainingsstunden, schweren Beinen und Momenten, in denen der innere Schweinehund uns einige Überwindung kostet. Doch genau hier entsteht der Glaube, dass sich all die unsichtbaren Kilometer auszahlen werden. Jetzt ist der Moment, die entscheidenden Schritte zu gehen. Sie werden nicht immer leicht sein, aber wir wissen genau, warum wir hier sind, warum wir weitermachen und warum wir dafür einander brauchen. Wenn niemand zusieht, entscheidet sich, wie sehr wir es wirklich wollen. Forza ingWE!